
Ziemlich genau einen Monat nach dem Reeperbahnfestival 2025 habe ich nun endlich eine freie Minute gefunden, um einmal Revue passieren zu lassen. Deshalb hier meine Highlights des RBF, und ein kleiner Überblick, welche Artists bzw. Bands es in meine daily rotation geschafft haben:
Tag 1: Mittwoch
Teil der Bavarian Export Session, ist Sängerin Lisl mein erster Programmpunkt. Ihre Musik lässt sich beschreiben als softer Indie-Pop/Rock, der über mentale Gesundheit und Queerness spricht. Lisl ist zwar inzwischen nach Hamburg gezogen, aber man sieht: auch aus meiner Heimat kommt einfach richtig, richtig gute Musik!
Direkt nach dem Set geht es auch schon weiter, Richtung Große Freiheit. Dort spielen nämlich gleich PartyOf2. Ich selbst hatte tatsächlich vorher noch nie von dem Hip-Hop Duo aus Los Angeles gehört, mir wurde aber von Freunden eine dringliche Empfehlung ausgesprochen. Da wurde ich natürlich neugierig!
Und schon der erste Ton vom Intro hat mich sowas von gefesselt. Die Showcase Sets des RBF mögen zwar nur 30 Minuten lang sein, aber ich hab mich danach wie nach einem Full Body Workout gefühlt – so sehr habe ich mitgetanzt. Die Energy im ganzen Raum war CRAZY. Also PartyOf2? Definitiv Sarah approved. Also auch meine Empfehlung geht raus an dieser Stelle.
Das war aber noch nicht alles an diesem ersten Abend! Danach ging es noch weiter in die St. Pauli Kirche, um die britische Sängerin Liang Lawrence zu sehen. Nachdem ich die Sängerin ein paar Wochen vorher auf Tiktok entdeckt hatte (da soll mal noch jemand sagen die App ist zu nichts gut), hatte ich gesehen, dass sie in München ein Konzert spielen würde. Der einzige Haken: Ich wusste, dass ich an dem Tag nicht in der Stadt sein würde. Deshalb war ich umso glücklicher, ihr Set beim Reeperbahnfestival zu erwischen!
Ihren Song A Day Off In Margaritaville stellt sie vor mit: “If you’re into country music, you’ll probably like this song.” – und das beschreibt es auch sehr gut. Ihre Musik ist entspannter Indie-Pop, manchmal mit einer Prise Country.
Tag 2: Donnerstag
Der Donnerstag war quasi einmal komplett geblockt: Und zwar für das Korea Spotlight.
Wer mich kennt, weiß, dass ich absoluter K-Pop Liebhaber bin. Aber ich liebe auch alles was mit Alternativen Musikgenres zu tun hat – und die Kombi daraus? Schmeckt.
Also geht es Donnerstag Mittag ins Mojo Jazz Cafe, für Networking und Snacks, Artist Pitching Session und Panel zum Thema “What you might want to know about the Korean music scene beyond K-Pop”. Hier durften Manager und Bands des Korea Showcase sich einmal selbst vorstellen, und ein kurzes Musik-Snippet anspielen.
Abends folgt dann der Showcase, mit Wah Wah Wah (Psych-Rock), Dabda (Indie / Rock), Drinking Boys and Girls Choir (Punk) und Lee Seung Yoon (Indie / Rock). Und alle vier legten wirklich solide Performances hin, sodass der Spielbudenplatz trotz Dauer-Nieselregen gut gefüllt war. Mein Highlight war Lee Seung Yoon – der zu Anfang seines Sets noch etwas zurückhaltend wirkte, aber nach ein paar Songs dann aufgetaut war und eine sehr energiegeladene Show hinlegen konnte.
Abschluss des Donnerstags war dann schließlich die Korea Afterparty, zu der sich nur sagen lässt: Selbst eine introvertierte Sarah kann nach einem gut gemischten Cocktail alleine auf random Personen zugehen, networken, und neue Freunde finden, die einen direkt mal nach Seoul einladen. Success!
Tag 3: Freitag
Und weil ich mir im Vorfeld mal wieder zu viel vorgenommen hatte, wollte ich ab Tag drei dann spontan auch mal etwas entspannter an die Sache ran gehen. So war mein Programm an dem Tag auch deutlich kürzer, mit nur einem Namen auf der Liste: Chloe Slater.
Ich war schon etwas früher an der Location, und als ich hinten in der Ecke einen Platz auf dem Boden gefunden hatte um mir noch kurz eine Pause zu gönnen, fing auch schon der Line Check an. Nach einem kurzen Blick auf die Bühne musste ich feststellen, dass ich gerade ein paar Minuten vorher mit Chloe selbst und zwei Personen aus ihrer Band im kleinen Aufzug gestanden hatte. War mir auch etwas peinlich, sie nicht erkannt zu haben… aber zu meiner Verteidigung: auch sie war eine Empfehlung aus dem Freundeskreis, und ich hatte nur kurz mal reingehört in die Musik. Und leider so gar keine Ahnung, wie das Gesicht zur Musik aussah. NATÜRLICH musste mir dann sowas passieren, classic Sarah.
Auf der RBF Website findet man unter der Artist-Page von Chloe Slater folgende Beschreibung:
“Indie Rock und Alt-Pop, Post-Punk-Revival und Schlafzimmerproduktion, verträumte Atmosphäre und clubtaugliche Banger bringt sie problemlos in Einklang. Dass sie mit der diesjährigen EP „Love Me Please“ die Jugend im UK für soziopolitische Themen begeistern und gleichzeitig Millionen Streams auf einschlägigen Plattformen absahnen kann, macht deutlich: Hier kommt eine Künstlerin, die zu keinem besseren Zeitpunkt auf der Bildfläche zeitgenössischer Indie-Musik auftauchen könnte.” (Quelle)
“Life’s not a fig tree, you’re not made of glass. Better to have creases than to never have laughed. You’re not a sun that’s setting. And you’re not a tight wound, highly strung consumer of whatever they sell you to make you feel young. Your life is more than their obsession.” – dieser Song hat mich, gute eineinhalb Wochen nach dem RBF als ich ihn eines morgens auf dem Weg zur Arbeit gehört habe, so unerwartet getroffen, dass ich einfach im Zug anfangen musste zu weinen. Und seitdem trifft er auch jedes Mal wieder. Ich glaube auch jede Frau da draußen kann relaten: dass wir einfach, egal was wir tun, nie den gesellschaftlichen Schönheitsidealen so nachkommen können, wie es von uns erwartet wird.
Tag 4: Samstag
Auch der Samstag war entspannt, und wurde (unrelated) hauptsächlich damit verbracht, meine Haare zu blondieren & danach rot zu färben. Das einzige Set, das ich mir in den Kalender eingetragen hatte an diesem letzten Tag war Big Ocean, die erste hard of hearing K-Pop Gruppe.
Obwohl die Show erst um 22:25 Uhr los ging und ich auch nicht mehr ganz die jüngste bin, hatte ich es doch noch geschafft, aufzukreuzen. Zum Glück! Denn die drei Jungs legten eine wirklich wirklich tolle Performance hin, mit vielen Fan-Interaktionen. Was mich besonders beeindruckt hat: In ihre Choreografien bauen Big Ocean auch so gut wie immer Sign Language mit ein, was die Show noch inklusiver macht. Vor mir in der Schlange standen auch zwei jüngere Fans mit einer Hörbehinderung, die sich sichtbar auf Big Ocean gefreut haben. Was mir einfach nur das Herz erwärmt hat… denn wie schön ist es, dass Big Ocean nicht nur Awareness schaffen, sondern auch noch mehr Leuten den Zugang zur Musik schenkt.
Was bleibt?
Jedes einzelne Set war so unfassbar gut, dass es mir noch eine gute Weile im Gedächtnis bleiben wird. Alle (!!!) gesehenen Artists haben es in meine Playlists geschafft. Zurecht. Das einzige, was das alles noch besser macht, ist, dass ich es dieses Mal auch noch geschafft habe, nicht krank zu werden. Meisterleistung, if you ask me…
Wir freuen uns aufs nächste Mal, und schau mer mal was wird.